Die diesjährige Qualifikationsmeisterschaft der Junioren wurde vom LSV Delmenhorst auf dem Flugplatz Große Höhe ausgerichtet. 21 Piloten in der Clubklasse und 13 in der Standardklasse reisten Anfang Juli mit ihren Mannschaften an. Wir konnten an 7 Wertungstagen einen tollen Wettbewerb fliegen und viele Erfahrungen sammeln. Letztlich qualifizierte ich mich mit einem 4. Platz in der Gesamtwertung für die Deutsche Meisterschaft der Junioren 2014.

Außenlandung bei Bruchhausen-Vilsen

Das wechselhafte Wetter am ersten Tag führt dazu, dass wir nur eine Aufgabe für die Mindeststrecke von 100km bekommen. Die Standardklasse startet vor uns, doch die meisten Flugzeuge kommen nach einer Platzrunde wieder runter. Nur wenigen gelingt es, Anschluss nach oben zu finden. Nachdem die ersten Standardklasseflugzeuge zum 3. und 4. mal abgesoffen sind, wird dieser Tag für die Clubklasse neutralisiert.

Der zweite Tag soll auch wieder wechselhaftes Wetter bringen. Als Aufgabe erhalten wir eine AAT über 201-405km. Schon beim Ausklinken sehe ich die dicke Abschirmung im Westen und denke mir: Der erste Schenkel wird schwierig. Während wir an der Abfluglinie auf die Freigabe warten, zieht die dichte Schichtbewölkung immer weiter heran. Endlich höre ich im Funk: "An Alle Flugzeuge der Clubklasse: Die Abfluglinie ist ab sofort geöffnet!" Also noch einmal an die Basis kurbeln und los! Die Bärte ziehen besser als erwartet. Also geht es mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Wende. Doch weiter im Westen verdichtet sich die Bewölkung. Der Pulk mit 8 Flugzeugen kurbelt weiter in 700m Höhe und das steigen wird schwächer. 0,3m/s - mit solchen Steigwerten ist die Aufgabe nicht machbar! Also entscheide ich mich zusammen mit meinem Teamkollegen Jan Hendrik Henke, weiter zu fliegen. Die letzten Kilometer gleite ich durch tote Luft. Plötzlich finden Jan und ich uns in 260m wieder - über dem einzig landbaren Feld weit und breit. In schwachem Steigen geht es noch einmal auf 600m, doch das Steigen lässt wieder nach. Jetzt bloß zusammen bleiben und alles mitnehmen! Wir gleiten aufgefächert weiter und in 350m entdecke ich erneut einen schwachen Bart. Erst nach 10 Minuten entwickelt sich aus den 0,1m ein 1m-Bart und wir steigen wieder auf 1100m. War das die Rettung? Auf unserem Kurs nach Süden nur Abschattung, doch am Horizont sind mit viel Fantasie kleine CU zu sehen. Können wir es dort hin schaffen? Ich entscheide mich, es zu versuchen und gleite los. Schatten und tote Luft so weit das Auge reicht! Habe ich mich verzockt? Wie läuft es bei den Anderen? Nach einer Gleitstrecke von 18 Kilometern erreiche ich die Sonnenkante in 220m. Über einem Windpark blubbert es und ich versuche völlig allein gelassen, die Höhe zu halten. Plötzlich steigen 2 Standardklasseflugzeuge unter mir in den Nullschieber ein - beide am Wasser schmeißen! Wieder ist Geduld gefragt. Erst nach 5 Minuten verzeichne ich einen leichten Höhengewinn und das Steigen wird nutzbar. Wir gewinnen an Höhe und fliegen südlich der Kontrollzone Diepholz in die Sonne. Nach der Wende in Sulingen geht es weiter Richtung Hoya, wo sich die Schichtbewölkung wieder verdichtet. Auf dem Rückweg nach Delmenhorst baut die Thermik weiter ab, sodass ich mir unter der Abschirmung ein Außenlandefeld suchen muss. Enttäuscht von der Außenlandung rufe ich bei der Wettbewerbsleitung an, um meine Koordinaten für die vorläufige Wertung durchzugeben. "Klasse! So weit ist noch keiner gekommen!", bekomme ich als Antwort! Glücklicherweise landet kurze Zeit später ein weiteres Flugzeug auf diesem Acker, so dass das Warten auf die Rückholer ganz amüsant wird. Am Ende schaffen es in der Clubklasse nur zwei Flugzeuge nach Hause und ich erreiche einen 6. Platz.

Die nächsten drei Tage mussten wegen mangelnder Thermik neutralisiert werden.

kurbeln

Doch am sechsten Tag versprachen die Meteorologen besseres Wetter. Endlich fliegen! Voller Enthusiasmus starten wir in die Blauthermik. Der Tag sollte jedoch schwieriger werden als gedacht: Bei einer Strecke von 250km im blauen waren wir nicht ein einziges Mal über 1000m. Die durchschnittliche Arbeitshöhe lag bei 400-700m und auch mit 7 Flugzeugen in 195m Kurbeln ist eine interessante Erfahrung. Belohnt wurde dieser Tag durch das unbeschreibliche Gefühl beim Erreichen der Endanflughöhe. Am Ende haben es aus der Clubklasse neben mir nur 5 weitere Flugzeuge nach Hause geschafft, in der Standardklasse sind alle Außengelandet.

Die nächsten Tage blieben ähnlich. Wir konnten uns an kleineren Strecken messen und unser Fliegen nach Bodenmerkmalen verbessern. Toll war auch der am Flugplatz angrenzende See, in dem wir uns nach der Landung abkühlen konnten.

Nach 7 Wertungstagen konnte ich mich mit einem 4. Platz in der Gesamtwertung für die Deutschen Meisterschaften der Junioren 2014 qualifizieren. Wir haben alle viel gelernt, vorallem über Blauthermik und das bodenorientierte Fliegen. Patrick resümierte den Wettbewerb wie folgt: "Ich war in 2 Wochen Wettbewerb insgesamt nicht länger als 20 Minuten über 1000m!".

Vielen Dank an alle Helfer für die tolle Unterstützung. Auch möchte ich mich für das entgegengebrachte Vertrauen bei meinem Verein bedanken, der es mir möglich gemacht hat, unsere ASW 19 für diesen Wettbewerb auszuleihen.

Tagesaufgaben und Wertung: http://www.lsvdelmenhorst.de/index.php/wertung2013

Teilen: